Tagesförderstätte Menschen mit Behinderung

Auch Menschen mit Behinderung können Arbeiten!

Arbeit ist ein Menschenrecht! Trotz verschiedenartiger Behinderung wollen und können viele Menschen mit Handicap arbeiten und einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. So wie andere Menschen, möchten auch Menschen mit Behinderung im Gegenzug Wertschätzung und eine Bezahlung bekommen. Oft braucht gar nicht viel Aufwand betrieben werden. Eine kleine Umgestaltung reicht oft aus, um die Arbeitsumstände an die jeweiligen Menschen anzupassen. Ein Beispiel, dass das zeigt ist das “Alster Atelier” in Hermannsburg der alsterdorf assistenz ost – unser Titelbild zeigt den Eingang des “Alster Ateliers”. Die Bügelrevolution hat die alsterdorf assistenz ost und deren Laden “Alster Atelier” in Hermannsburg besucht. Dort wird u.a. eine Bügelpuppe eingesetzt, um den Klienten – also den Menschen mit Behinderung – eine Arbeit und ein Erlebnis zu bieten. Es gibt verschiedene Ideenansätze um einen Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Die Wesentlichen wollen wir kurz vorstellen.

Wie arbeiten Menschen mit Behinderung?

In Deutschland gibt es im Wesentlichen zwei grundlegende Formen, um Menschen mit Behinderung zu Integrieren, Ihnen Struktur und Wertschätzung zu geben.

Werkstätten für behinderte Menschen

Bei Werkstätten für behinderte Menschen (kurz WfbM) handelt es sich um Einrichtungen, in denen Dienstleistungen erbracht und Produkte erzeugt werden. Die Menschen in diesen Werkstätten sind sozialversicherungspflichtig angestellt und führen meistens Aufträge für die Kommunen und die lokale Wirtschaft durch. Der gesetzliche Mindestlohn gilt auch für diese Gruppe von Arbeitnehmern. Es handelt sich um eine schwache Form der “betreuten Arbeit”. 

Das Betreuungsverhältnis liegt bei 1:12, d.h. auf 12 Angestellte mit Handicap kommt ein Betreuer – es ist also ungefähr so wie im normalen Arbeitsleben, wo der Betreuer dann Abteilungsleiter oder Meister heißt.

Tagesförderungsstätte

In Tagesförderungsstätten trifft man Menschen, die einen höheren Betreuungsaufwand haben, als in den Werkstätten für behinderte Menschen. Das Betreuungsverhältnis liegt hier bei 1:5. Der Fokus in diesen Einrichtungen ist gerichtet auf das Schaffen von festen Tagesstrukturen und auf die Wertschätzung, die die Menschen erfahren sollen.

Finanziert wird die Betreuung über einen Antrag bei dem Integrationsamt auf “Tagesförderung”. Mit diesem Geld arbeiten die Einrichtungen, um den bedürftigen Menschen eine Beschäftigung zu geben.

Die Arbeitnehmer in Tagesförderungsstätten sind in der Regel Sozialhilfeempfänger und dürfen nur gering dazuverdienen (40 Euro im Monat). Sollten sie jedoch mehr Geld erwirtschaften, wird der Mehrbetrag an das Sozialamt abgeführt. Auf diese Weise können Gelder zurück in den Finanzierungskreislauf von sozialen Einrichtungen fließen. Die Klienten profitieren durch eine angepasste Arbeitsumgebung und eine individuelle Aufgabe und erhalten so die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Unstrittig für die persönliche Entwicklung dürfte auch die Bedeutung von Wertschätzung für die geleistete Arbeit sein.

Aufgaben für Menschen mit Behinderung in einer Tagesförderstätte

Marianne Böhmer ist die Leiterin des Bereiches Bildung & Beschäftigung der alsterdorf assistenz ost in Hermannsburg. Sie hat uns die unterschiedlichen Arbeiten vorgestellt und bemerkt: “Wenn man auf die individuellen Stärken der Menschen mit Behinderung achtet, können spannende Aufgaben gefunden werden.”

Der Laden hat eine spezielle Funktion. Er soll eine Begegnungsstätte von Menschen darstellen. Dort treffen Menschen, die den Laden besuchen auf Menschen mit Behinderung. Eine Distanz soll aufgehoben werden. In dem Laden werden neben angebotenen Services auch im Verkaufsraum Gegenstände von Hobbykünstlern aus der Umgebung verkauft. Diese Zahlen eine konstante Regalmiete und finanzieren so einen großen Teil der Ladenmiete. Darüber hinaus wird in einer Tagesstätte, wie im Laden, gemeinsam gekocht und gegessen. Die Klienten erhalten so eine Tagesstruktur. Ein paar Beispiele zeigen die Vielfältigkeit der Aufgaben für die Menschen.

A. Kaffee mahlen

“Eine Klientin hat spastische Lähmungen. Sie hat als Aufgabe den Kaffee zu mahlen und macht dies, indem sie auf den Knopf haut und die Vibrationen spürt und den frischen Kaffee riecht. Quasi als Nebenprodukt wird auch Kaffee gemahlen. Arbeit ist so mehr ein Erlebnis und Beschäftigung.”

B. Wäscheservice für den Ort Hermannsburg

“Im Wäscheservice ist auch die Bügelpuppe zu finden. Diese hat bereits einen Namen bekommen: sie wurde Michael getauft, da Michael der Erste war, der die Bügelpuppe bedient hat. Mit den Apotheken im Ort wurde bereits ein Kittelservice probiert, aber auch Oberhemden und Blusen werden gebügelt. Da der Wäscheservice recht komplex ist, wird dieser in mehrere Schritte aufgeteilt:

 

  • Wäscheannahme
  • Waschen (mit der korrekten Dosierung des Waschmittels)
  • Wäsche (Kittel, Hemden oder Blusen) auf Bügel hängen
  • Wäsche mit der Bügelpuppe trocknen und Bügeln
  • Wäsche abnehmen und in einen Plastiksack verpacken”

 

 

Bügelpuppe für Wäscheservice
Betreuerin Tatjana Bergmann zeigt einer Klientin den Umgang mit der Bügelpuppe

C. Kunstarbeit

“Menschen mit Behinderung basteln kleine Kunststücke. Auch diese werden dann in dem Laden verkauft.” Wir haben auch ein Bild von Helga bekommen. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

Helgas Bild
Helgas Geschenk an Uns

D. Verkäufer im Alster Atelier

“Klienten verkaufen die im Laden ausgestellten Sachen und lernen so auch das Umgehen mit einer Registrierkasse und Kunden.”

Alster Atelier Hermannsburg
Im Vordergrund der Laden in Hermannsburg, Im Hintergrund Helga mit Marianne Böhmer

E. Sortierservice für lokale Plastikfabrik

“Eine Frau mit Autismus hatte gerne Gegenstände nach Material, Form oder Farbe geordnet. So kamen die Betreuer auf die Idee, eine örtliche Plastikfabrik zu kontaktieren, die ab und zu Angüsse hat, die wiederverwendet werden sollen. Diese Arbeit wird auch in der Fabrik durchgeführt. Es kam zu einem Arbeitsauftrag, den die Frau mit Autismus durchgeführt hat. Die junge Frau hat die Angüsse nach Farbe sortiert und hat dafür den gleichen Stückzahlenpreis erhalten, wie diese ansonsten bezahlt wurde und dazu die Wertschätzung auch normale Arbeit tun zu können und dazu zu gehören. Die Firma hatte dadurch keinen Nachteil und ggf. ein etwas besseres Bild in der Gesellschaft, da sie Leute mit Behinderung unterstützt. Die Fehlerquote wurde sogar verbessert, da vorher die Sortierung von Insassen der JVA Celle durchgeführt wurde. Die Insassen waren nicht unbedingt motiviert und dies hat zu einer hohen Fehlerquote geführt.”

 

Fazit – Ein schöner, lehrreicher Vormittag

Wir wurden sehr nett in Hermannsburg empfangen, sowohl von den Betreuern als auch von den Menschen mit Behinderung, und hatten einen sehr angenehmen und lehrreichen Vormittag. Uns hat sehr erstaunt, mit welcher Hingabe und Kreativität in der alsterdorf assistenz ost zusammen gearbeitet wird. Wir sind sehr erfreut, dass wir mit einer Bügelpuppe einen Beitrag leisten können. Die Bügelpuppe für die Einrichtung ist nicht subventioniert. Sie wird sich über den Wäscheservice selbst finanzieren und darüberhinaus für Einnahmen sorgen – genau wie in der freien Wirtschaft. Dies funktioniert, da im Alster Atelier auf individuelle Stärken geachtet wird.

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